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Salome Kammer
Zie hier de opdracht van Kurtág aan Salome: "Kafka-Fragmente". Der 1987 fertiggestellte Zyklus ist wiederum ein kleingliedriges und klein besetztes Werk: 40 Einzelstücke dauern zusammen eine knappe Stunde. Eine Sopranistin singt Textfragmente aus Tagebüchern und Briefen von Franz Kafka, begleitet lediglich von einer Violine. Kafkas Notate sind kleine Beobachtungen, Reflexionen und Wortspiele, die immer wieder in Paradoxien, selbstgestellte Fallen und schonungslose Desillusionierungen führen. Ein Text etwa wie "Geschlafen, aufgewacht, geschlafen, aufgewacht, elendes Leben", den Kurtág gleich in zwei Versionen komponiert, trägt in der Vertonung den fast schon zynischen Titel "Berceuse". Wiederum muss die Sopranistin alle Register von Flüstern und Sprechen zu Singen und Schreien ziehen, ihre unverstellt exaltierte Stimme dient als unmittelbares Sprachrohr der Seele. Die Violine wird oft klangmalerisch eingesetzt und lotet ihrerseits ein Spektrum zwischen Geräusch, ungewohnten Spielweisen und sattem Geigenton aus. Dabei wird nicht das Prinzip Melodie-Begleitung angewendet, sondern Stimme und Geige spielen gleichberechtigt und schaffen gemeinsam zarte und doch heftige, simple und doch durchdachte Gebilde, eine schmucklose Spinnwebenmusik, deren Schönheit ihrer Wahrhaftigkeit entspringt. Das erste Kafka-Fragment ist fast schon programmatisch für Kurtágs eigenes Schaffen: "Die Guten gehn im gleichen Schritt. Ohne von ihnen zu wissen, tanzen die anderen um sie die Tänze der Zeit." Den unbeirrten Schritt zeichnet das ganze Stück hindurch die Geige mit einer gleichförmig repetierten grossen Sekunde, die von der Singstimme zunächst aufgenommen wird. Dann schert die Sopranistin hektisch aus und ergeht sich in virtuosen Koloraturen mit nervösen Wiederholungen der Worte "tanzen" und "Tänze". Dichter, stimmiger, anschaulicher und schöner geht es wohl nicht.
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